Krankenhausmanagement/ Controlling/ GSG




ICPM-unabhängige Dokumentation 95 - der Operateur entscheidet

Franz-Xaver Huber, Rolf Schall, Christian Fritz, Ulrich Gleim, Christian Herfarth

Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg, INF 110, 69120 Heidelberg

Einleitung

Das Gesundheitsstrukturgesetzes (GSG) soll Anreize schaffen, medizinische Leistungen durch den Anspruch auf das "Medizinisch Erforderliche" zu beschränken. Ein kompliziertes Budget aus Fallpauschalen, Sonderentgelte, Abteilungspflegesätze und Basispflegesätze ersetzt die bisher einfache Formel "Vergütung=Pflegesatz x Pflegetage" [1]. Die aktuelle Kritik zum GSG wendet sich der Frage der korrekten Leistungserfassung zu.

Methode

Auf Basis des 'Godesberger Diagnosen- und Therapieschlüssel' wurde zur Dokumentation der neuen Entgeltformen das bestehende, hausinterne EDV-System um ein Diagnose- und Therapieverschlüsselungssystem erweitert, das unabhängig von der ICPM-Codierung einen Entgeltvorschlag generiert. Zeitgleich mit dem handschriftlichen Eintrag in das OP-Buch erfolgt unmittelbar nach Beendigung der Operation die elektronische Dokumentation durch den Operateur selbst. Erfaßt werden die Patientendaten sowie der operative Eingriff hinsichtlich Operationsbedingungen (Zeit, Saal, Ort) einschließlich detaillierter Aspekte des operativen Eingriffs. Die neuen Entgeltformen werden dem PC-Benutzer über eine halbautomatisierte Diagnose- und Therapieverschlüsselung vorgeschlagen.

Diskussion

Die neue Herausforderung durch das GSG benötigte die enge Zusammenarbeit zwischen Informatikern und Chirurgen, um ein zusätzliches Modul zur Erfassung der neuen Entgelte zu entwickeln. Das Ergebnis, die automatische Generierung eines Entgeltvorschlages unter Zuhilfenahme intelligenter Plausibilitätsprüfungen wurde als entscheidungsunterstützendes EDV-System konzipiert [3]. Nicht die Verwaltung, sondern der behandelnde Chirurg ist für die computerunterstützte Operations-dokumentation verantwortlich. Zum Operationszeitpunkt besitzt einzig der Operateur über Anamnese, operativen Eingriff sowie perioperativen Verlauf des therapierten Patienten den kompletten Überblick. Erst damit kann sichergestellt werden, daß der qualitative wie quantitative Fehler bei der Dokumentation minimiert wird. Bisher vorliegende Erkenntnisse im Rahmen der EDV-unterstützten Qualitätssicherung zeigen noch erheblichen Nachholbedarf [2, 4]. Daß zukünftig nur die ICD/ICPM-Kombination ein entsprechendes Entgelt bestimmt, ist als Rückschritt zu werten.

Literatur

[1] Bundespflegesatzverordnung 95:

Verordnung zur Neuordnung des Pflegesatzrechtes

Krankenhausumschau, Sonderheft, 7/94, S 1-66

[2] Eigler F.W.

Qualitätssicherung aus Sicht des Chirurgen

Der Chirurg 66, 1995, 665-669

[3] Haux R.:

Knowledge-Based Decision Support for Diagnosis and Therapy: On the Multiple Usability of Patient Data

Methods of Information in Medicine, 28, 1989, 69-77

[4] Röhrborn A., C. Ohmann, S. Epstein, H.-D. Röher

Computerunterstützte Operationsdokumentation in der klinischen Routine

Langenbecks Archiv für Chirurgie, 378, 1993, 358-369